STACKENBLOCHEN (rsf)
(where contestants have to arrange items on a dresser at right angles - that passes for fun in germany)
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Meine Mutter hat mir beigebracht, nicht zu springen, wenn die anderen springen. Es sei denn, ich kann meinen Sprung, auch unabhängig von den anderen, schlüssig begründen. Ein „die anderen machen es auch“ ist keine Rechtfertigung für irgendein Verhalten. Ein „wenn ich es nicht mache, macht es jemand anderes“, ist die älteste und billigste Rechtfertigung für jegliches amoralische Handeln. Oder, wie Don Alphonso es, aus demselben Anlass, aus dem ich mich derzeit mit dem Thema beschäftige, treffend ausdrückt
Und die Ausrede einer Welt, aus der man nicht den Zwängen von Regimen widerstehen kann, kenne ich berufllich gut von Opel, Holerith und Ford im Dritten Reich, die wird dadurch weder besser nich richtiger, wenn man sie nochmal wiederholt. Mit der Argumentation hätten wir hier heute noch die Inquisition.
Ich bin völlig ratlos, denn ich hatte bislang geglaubt, sich als Blogger von Yahoo bezahlen zu lassen, sei so absurd, dass man sich lächerlich macht, wenn man nur mal eine entsprechende Idee in eine theoretische Debatte einbrächte.
Ich begreife momentan nichtmal ansatzweise, wie Teile der Speerspitze der Meinungsfreiheit, Teile der Blogosphäre, sich tatsächlich bezahlen lassen können von Yahoo. Von einem Unternehmen, dass Menschen, die genau diese Freiheit für sich und ihr Land haben möchten, an die chinesische Diktatur ausgeliefert hat. Ich zerbreche mir seit Tagen den Kopf darüber, spreche mit Menschen sowohl innerhalb der Blogosphäre, als auch ausserhalb, sogar mit meinen Eltern - und bisher ist die einzige Antwort, die ich in unterschiedlichen Formulierungen bekommen habe: Gleichgültigkeit.
Ja - erst kommt das Fressen und dann die Moral. Ich kann mir aber weder vorstellen, dass irgendjemand von uns dermassen hungrig sein kann, noch dass Yahoo eine so grosse Summe zu zahlen bereit ist, dass man über die paar blöden Chinesen ausnahmsweise mal hinwegsehen kann. Vielleicht täusche ich mich aber auch - wäre nicht das erste Mal.

Das ist kein Rant. Ich will noch nicht urteilen. Ich will nichts und niemanden bashen und werde entsprechende Kommentare löschen. Auch ich bin käuflich, denn manchmal habe auch ich Hunger. Sogar in diesem Fall wäre ich möglicherweise käuflich gewesen. Und bin deshalb sogar froh, gar nicht erst von Yahoo gefragt worden zu sein. Dennoch bin ich wirklich ratlos, zweifle an meinem Urteilsvermögen in Bezug auf Menschen, in Bezug auf Ethik und Moral und wäre froh, wenn mir irgendwer eine plausible Begründung für ein solches Verhalten liefern könnte. Das heisst, eine andere, als die eingangs beschriebenen, eine andere als die Antwort meiner Mutter - es sei denn, die gezahlte Summe ist überwältigend - und eine, die nicht klingt, wie die Rechtfertigung eines Kindes, das man mit der Hand im Bonbonglas erwischt hat.

Oder mal andersherum gefragt. Unter welchen Umständen könnte man Verständnis für jemanden haben, der sich, ohne erkennbare Not, von einer Firma bezahlen lässt, die einen ins Gefängnis gebracht hat, indem sie einen um des Profits Willen an eine Diktatur ausgeliefert hat?


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