STACKENBLOCHEN (rsf)
(where contestants have to arrange items on a dresser at right angles - that passes for fun in germany)
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Ich zahle Rundfunkgebühren. Ich habe sogar schon Rundfunkgebühren gezahlt, als ich weder mittelbar, noch unmittelbar von ihnen profitiert habe. Freiwilig. Denn ich halte gebührenfinanzierten Rundfunk für sehr wichtig für das Überleben einer Demokratie.

Ich rege mich manchmal darüber auf, was für ein grenzenloser Scheiss wie Musikantenstadel, Mittagsmagazine oder andere massentaugliche Boulevardsendungen von meinem Geld produziert werden. Aber es sind halt Massenmedien. Ich rege mich darüber auf, auf welche weise die eingezogenen Gelder von zu vielen Anstalten in den Anstalten selbst verschwendet werden. Ich rege mich über die halbstarken Schwätzer auf, die meinen, sie müssten nicht zahlen, weil sie die öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht unmittelbar benutzten, gleichzeitig aber zu selbstgefällig sind, zu erkennen, dass sie mittelbar sehr wohl Nutzen aus ihnen ziehen.

Dabei ist selbst dieser Nutzen, Kontrolle der Mächtigen, schon vergleichweise preiswert. Und das Benutzen des Mediums allemal. Wenn ich mir Sendungen ansehe, wie beispielsweise den Weltspiegel, den Tatort, Hart aber Fair, unzählige gut- und ausrecherchierte Dokumentationen oder gleich ganze Sender wie Arte oder 3sat, bedauere ich zwar, dass Inkompetenz und Vetternwirtschaft verhindern, dass all diese Sachen ein Drittel besser sein könnten, als sie sind. Ich weiss aber trotzdem, dass die paar Euro, die ich monatlich abdrücken muss, nichts sind im Vergleich zur Erweiterung meines Horizontes, die ich auf simplen, stumpfen Knopfdruck erfahren kann - wenn ich denn nicht schon blöd bin.

Abends schalte ich gerne bei den Popradios rein, weil die mir neue Musik präsentieren, die sie gut finden und nicht die, für die irgendeine sterbende Drecksindustrie Kohle auf den Tisch gelegt hat. Ich werde da auch nicht mit Klingeltonwerbung belästigt. Allein das ist mir schon fünf Euro im Monat wert. Tagsüber höre Deutschlandfunk, Deutschlandradio und Inforadio. Ich lade mir HR2-Der Tag, SWR-Aula, -Wissen und -Leute runter und freue mich über fast jede Sendung. Das bekomme ich quasi-kostenlos dazu.
Filmkritiker im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sagen mir glaubwürdig, dass ein Film gut ist. Weil sie Ahnung haben und - vor allem - weil sie ihr Geld weder mittelbar noch unmittelbar von der Filmindustrie bekommen, wie es im Privatfunk üblich ist.
Genauso verhält es sich mit simplen Informationen - ich glaube nichtmal der Videotext-Uhr von RTL2, wenn ich wissen will wie spät es ist. Und mit wichtigen Informationen verhält es sich erst recht so.

Ich zahle Rundfunkgebühren, weil ich es für extrem wichtig, ja überlebenswichtig für eine Demokratie halte, ein mächtiges Medium zu finanzieren, dessen Mitarbeiter keine Angst haben müssen, dass irgendwer ihre Existenz vernichtet, weil sie kritisch über ihn berichtet haben. Und ich bin der Meinung, dass sich gefälligst jeder in einer Gesellschaft daran zu beteiligen hat.

Ich verachte Menschen, die die öffentlich-rechtliche Finanzierung ausnutzen. Menschen, die ihre Position in der Anstalt missbrauchen, um sich oder ihre Freunde und Angehörigen zu bereichern, ohne dadurch irgendeinen gesellschaftlichen Nutzen zu liefern oder wenigstens für Unterhatung zu sorgen. All die Faulen und Unfähigen. Die Untätigen. Die ahnungslosen Berater. Menschen, die nicht die Grösse haben, sich einzugestehen, dass sie ihren Platz für jemand nützlicheren freimachen sollten. Menschen, die auf die besondere Verantwortung pfeifen, die aus zwangsweise eingezogenen Geldern erwächst. Menschen, die sich einen unabhängigen, journalistischen Anstrich geben, in Wirklichkeit aber nicht besser sind, als irgendein gekaufter, mittelmässiger PR-Heini irgendeiner Interessengruppe mit viel Geld und noch mehr Macht.
Menschen, wie ich sie selbst schon live und in Farbe erlebt habe und immer wieder erlebe. Und Menschen, wie zum Beispiel einige Fernsehärzte, einige Sportreporter, Kerner und ganz besonders Sabine Christiansen.

Sabine Christiansen lässt sich fürstlich aus dem Gebührentopf bezahlen und heuchelt Unabhängigkeit, obwohl sie das Sprachrohr nur einer kleinen Gruppe dieser Gesellschaft ist. Damit kann ich gerade noch leben, schliesslich kostet der Musikantenstadel auch ein Vermögen, gibt reichen Bescheuerten auch ein Forum und ist dabei noch weniger unterhaltsam.

Aber dass sie vor genau denen einknickt, vor denen die Rundfunkgebühren sie schützen, löst bei mir so verdammt viel Verachtung aus, dass ich mich zusammenreissen muss, ihr nicht irgendwann mal ins Gesicht zu spucken. Pfui, Frau Christiansen.


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