STACKENBLOCHEN (rsf)
(where contestants have to arrange items on a dresser at right angles - that passes for fun in germany)
links | food | feed | feed+ | foo:    Λ   Δ   ?   +              





Ich bin mal wieder Bahn gefahren. Das mache ich ja nicht allzu gerne, weil es meistens so sehr schief geht, dass man lieber keine beruflichen Termine von der Bahn abhängig machen sollte. Diesmal ging es von Berlin nach Halle an der Saale und zurück. Kurze Strecke, kann man mal bringen.

Ich hatte einen ICE gebucht, aber eingefahren kam ein seltsam aussehender Zug. Irgendwie ein IC, aber auch wieder nicht, gezogen von einer dieser roten Loks. Da ich es gewohnt bin, bei der Bahn viel Geld für Leistungen zu bezahlen, die ich dann nicht erhalte, war ich gespannt, wie sie mich auf dieser Fahrt über den Tisch ziehen würden.

Eingestiegen bin ich dann allerdings in einen Zug, der früher mal "Metropolitan" hiess. Der MET war ein Luxuszug, der Ende der 90er Jahre in Betrieb gegangen ist, aber dummerwise von denselben Deppen betrieben worden zu sein scheint, die auch noch heute dafür verantwortlich sind, dass ein so überlegenes Verkehrsmittel wie die Eisenbahn, ein Produkt ist, von dem man Abstand nimmt, wann immer man die Gelegenheit dazu hat. Der MET ist zügig pleite gegangen und die Züge wurden in die Bahn eingegliedert, obwohl sie schon irgendwie eine Tochter der Bahn waren - bestimmt irgendein total sinnvolles Konzept, das sich irgendwelche BWLer ausgedacht haben, das normale Menschen aber nicht verstehen.

Die Einrichtung des MET war - obwohl schon 15 Jahre alt - so, wie ich es von einem modernen Zug erwarten würde, für dessen Benutzung ich die Preise zahle, wie sie die Deutsche Bahn von mir verlangt. Fast ausschließlich Holz und Metall, sehr komfortable Sitze und selbst die Lautsprecherdurchsagen wurden mit einem freundlichen Gong eingeleitet. Die Laufruhe dieses Zuges war das Beeindruckendste, das ich jemals auf der Schiene erlebt habe. Es war extrem leise. Nichts hat gerappelt, nichts geklappert, das übliche Dröhnen und Quietschen, das man sonst in den ICEs über sich ergehen lassen muss, war nichtmal ansatzweise vorhanden und auch die Seitwärtsschläge, die vermutlich beim Überfahren von Weichen oder sowas entstehen, waren kaum zu spüren. Die, leider sehr kurze, Fahrt in diesem Pseudo-ICE war die angenehmste Bahnreise meines Lebens, allenfalls noch vergleichbar mit einer Reise im TGV. Am liebsten wäre ich einfach bis München sitzen geblieben.

Auf der Rückfahrt hatte ich dann den ICE, für den ich bezahlt hatte. Das ist das Flagschiff der Deutschen Bahn. Das, was man als "Premiumprodukt" bezeichnen würde. Er kam mit 30 Minuten Verspätung in Halle an und bis ich in Berlin war, waren es 45 Minuten. Der Wagen, in dem ich reserviert hatte, war gar nicht erst vorhanden und alle anderen Plätze waren "ggf. reserviert". Die Klimaanlage hat nicht funktioniert und es war entsprechend heiss in der Blechröhre. Die Innenausstattung aus Plastik hat geklappert und die Laufruhe war wie immer: Nicht vorhanden. Stattdessen das übliche Rumpeln, Rappeln und Seitwärtsschläge, die die Menschen im Gang ins Straucheln gebracht haben.

Der MET zeigt, was möglich ist und degradiert den ICE zu einem Armutszeugnis für die Bundesrepublik. Wenn Deutsche Bahn und Bund willens wären, hätten wir Fernzüge, die die Bezeichnung "Premiumprodukt" auch wirklich verdienen. Stattdessen reisen wir in Ausschussware, die zu verantworten jedem Manager, der wenigstens halbwegs etwas auf sich hält, zu peinlich sein sollte. Aber die sind vermutlich zu sehr damit beschäftigt, sich zu wundern, warum die Menschen lieber in Bussen reisen, die bei ähnlicher Räudigkeit nur einen Bruchteil der Bahn kosten.

Ich finde das alles unendlich schade, denn eigentlich mag ich die Eisenbahn. Sehr sogar.


To prevent spam abuse referrers and backlinks are displayed using client-side JavaScript code. Thus, you should enable the option to execute JavaScript code in your browser. Otherwise you will only see this information.