STACKENBLOCHEN (rsf)
(where contestants have to arrange items on a dresser at right angles - that passes for fun in germany)
links | food | feed | feed+ | foo:    Λ   Δ   ?   +              





Lieber Stefan,

es gibt so Konstanten, über man nicht groß nachdenkt. Als ich zu Fritz kam, warst Du schon da - und ich habe auch stets erwartet, dass Du noch da sein würdest, wenn mein letzter Vorhang fällt. Insgeheim habe ich sogar gehofft, dass Du derjenige sein würdest, der mir das T-Shirt in die Hand drückt. Es wäre mir eine Ehre gewesen, von dir gefeuert zu werden.

Als wir vor über zehn Jahren gemeinsam die Radiofritzen am Nachmittag bestritten haben, warst Du schon einer der besten Hörfunkjournalisten, die ich in all den Jahren kennengelernt habe. Du warst neugierig, hattest damals schon begriffen, wie Radio klingen muss, damit das Einschalten Spaß macht, wie man diesen Spaß zur Aufklärung einsetzt und wann der Spaß zuende ist. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Dein entsetzlicher Ehrgeiz, der mich damals häufig hat gruseln (und einmal sogar leiden) lassen, hat es dir ermöglicht, innerhalb kürzester Zeit die bürokratisch-strategischen Fertigkeiten zu erlernen, die man braucht, um einen beliebigen Sender zu steuern. Die Fähigkeiten, ausgerechnet einen Sender wie Fritz zu steuern, hattest Du schon mitgebracht: Mut und Loyalität.

Du hast den Mut gehabt, uns den Rücken von der Bürokratie freizuhalten, den Mut, auch schwierige Charaktere an der langen Leine laufen zu lassen, den Mut, uns so weit zu vertrauen, wie es vermutlich sonst nur unsere Angehörigen tun würden - und die Loyalität, dich fast bedingungslos hinter uns zu stellen, wenn mal einer von uns zu weit gegangen ist. Das soll dir erstmal einer nachmachen!

Wir haben das Vertrauen, das Du in uns gesetzt hast, oft genug missbraucht, ohne überhaupt zu merken, das es da war. Dafür hast Du uns dann - mal mehr mal weniger laut - zur Ordnung gerufen und die eine oder andere Ohrfeige verteilt, aber niemals musste man Angst vor dir haben, dafür umso mehr Respekt.

Dein Mut hat auf uns abgefärbt und deine beiläufige Loyalität hat erst ermöglicht, dass wir über so viele Jahre hinweg und unter so schwierigen Konkurrenzbedingungen ein derart aufregendes Radio machen konnten, dass selbst die Leute uns respektieren, die uns hassen. Denn irgendwie wussten wir, dass uns nichts passieren kann, solange Du da bist. Jetzt bist Du weg.

Du bist weg, weil einer von uns dein Vertrauen in einer Weise missbraucht hat, wie ich es mir egomaner kaum vorstellen kann. Bei aller Selbstverliebtheit - von der auch ich mich bisweilen gerne mitreissen lasse - muss uns doch immer klar sein, dass Fritz nicht die private Plattform einzelner Mitarbeiter ist, sondern die Summe des Schaffens aller am Programm beteiligten, deren jeweiliges Schaffen nicht gefährdet werden kann ohne das Ganze zu gefährden.
Dieser Umstand scheint bisher auch jedem von uns - im Zweifelsfall nach einem entsprechenden Ordnungsruf - klar gewesen zu sein. Bisher.

Dein Schaffen ist beschädigt worden und Du hast entschieden, dich zurückzuziehen, um das Ganze nicht zu beschädigen. Ich kann das nachvollziehen. Dafür gebührt dir wahrscheinlich sogar noch größerer Respekt als für deine Arbeit bisher.

Ich bin seit 20 Jahren berufstätig und habe mindestens soviele Chefs gehabt - wenn man was mit Medien macht, bleibt das kaum aus. Bisher gab es darunter drei, zu denen ich den folgenden Satz gesagt habe. Du bist der Vierte.

Wenn Du pfeifst, werde ich springen!


Herzlich
Dein Holger


To prevent spam abuse referrers and backlinks are displayed using client-side JavaScript code. Thus, you should enable the option to execute JavaScript code in your browser. Otherwise you will only see this information.