STACKENBLOCHEN (rsf)
(where contestants have to arrange items on a dresser at right angles - that passes for fun in germany)
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Ich habe mir einen Kindle* gekauft. Die Entscheidung dazu hat ein wenig gedauert. Vermutlich, weil der Traditionalismus kaum irgendwo so totalitär ist, wie im Bereich des gedruckten Wortes. Als gebildet gilt nicht, wer Physik oder Mathematik versteht, sondern wer Göthe gelesen hat (haha).



Zeitungsverlage können ein "Leistungsschutzrecht" fordern, ohne dafür ausgelacht zu werden. Feuilletonchefs schreiben Bücher, in denen sie zugeben, mit der Moderne überfordert zu sein und werden dafür bejubelt statt bemitleidet. Die Preisbildung von Büchern ist dem Markt entzogen und wer nicht liest, ist doof. Wobei "lesen" synonym ist zu "viele Bücher im Regal stehen haben".

Wer viele Bücher im Regal stehen hat, hat genügend Geld, sich diese zu kaufen und gehört deshalb dem Teil der Bevölkerung an, der Herrschaft auszuüben vermag, weshalb er seinen Lebensstil gerne als normativ betrachtet und als solchen verbreitet.
Wenn etwas lange genug verbreitet wird, glauben die Menschen irgendwann auch, es würde sich um die Wahrheit handeln. So funktioniert Werbung (Mehlschwitze!) und so funktionieren auch die meisten kulturellen Gewissheiten - wie beispielsweise diejenige, die besagt, dass ein Buch nur in der Form wertvoll ist, wie es seit Jahrhunderten hergestellt wird. Dabei wird der Inhalt gemeint, wo es tatsächlich nur die Form die Buches ist, die einen besonderen Wert darstellt.

Jedenfalls war ich aus oben genannten Gründen irrational überskeptisch, was einen E-Book-Reader angeht. Bis ich zwei Gedanken bei Malotki gelesen hatte: Man kann sich auch im Text eines E-Buches verlieren und es gibt die ZEIT als Kindle-Abo, so dass ich mir nicht immer gleich mehrere Stunden und den großen Tisch freiräumen muss, um sie zu lesen, sondern mir auch zwischendurch mal den einen oder anderen Artikel zu Gemüte führen kann.

Ich habe es ausprobiert und Malotki hat Recht. Ein E-Book-Reader funktioniert. Er ist, sowohl aus technischen als auch aus ästhetischen Gründen, kein Ersatz für die Bücher im Regal, hat aber das Zeug, eine perfekte Ergänzung zu sein. Ich würde bestimmt nicht alle meine Bücher ausschließlich auf so einem Gerät haben wollen. Schließlich sehen Bücher auch hübsch aus im Regal. Ich würde auch keines der Bücher ausschließlich auf dem Gerät haben wollen, das ich im Falle eines Stromausfalles immer noch lesen wollen würde.
Für unterwegs aber und für Zeitungen und Nachschlagewerke ist ein solcher Reader ideal. Und diese ganzen Bücher, die man sich nur deshalb nicht traut, wegzuschmeissen, weil das Bildungsbürgertum einem eingebleut hat, man werfe keine Bücher weg... die kommen auf den Kindle, werden gelesen und dann wieder gelöscht.

Wenn wir dann noch die Kraft aufbrächten, die Buchpreisbindung endlich mal abzuschaffen, würden E-Bücher auch erfolgreich. Und wenn wir eine wirklich moderne Gesellschaft wären, gäbe es zu jedem gedruckten Buch eine digitale Version kostenlos dazu - um die Vorteile beider Welten ideal auszunutzen, wie es bei mancher Schallplatte der Fall ist.

*Affiliate-Link

[edit: Vielleicht die Buchpreisbindung auch gar nicht schuld am bisherigen Misserfolg, sondern das miese Angebot durch die Verlage]


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