STACKENBLOCHEN (rsf)
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(Viel Text - sorry. Wer's eilig hat, liest nur den letzten Absatz)

Ich habe seit zwei Monaten ein iPhone. Und weil mir Apple-Produkte zwar gefallen, ich aber keiner von diesen Apple-Jüngern bin, der sofort allen erzählen muss, was er tolles neues für viel Geld gekauft hat, habe ich es erstmal benutzt. Und das war nicht immer ein Vergnügen.

Wenn ich mir ein mobiles Gerät mit grossem Speicher und schnellem Internet zulege, erwarte ich, dass ich damit beliebige Daten runterladen, speichern und offline nutzen kann. Mit dem iPhone ist das fast unmöglich. Das einzige, was ich runterladen kann, ist der Content, den Apple über seinen Onlineshop vertreibt - und selbst da gibt es eine Grössenbegrenzung, die verhindert, dass ich Podcasts von mehr als 10MB per UMTS lade.

Man kann keine Musik aufs Gerät laden und hören, ohne dass man mit dem Gerät einen Datenabgleich mit seiner Musikdatenbank macht. Versucht man Musik per Datenabgleich von einem anderen als seinem Standardrechner aufzuspielen, werden die alten Daten gelöscht.

Es gibt kein copy&paste.

Will man das Gerät nicht nur in der Tasche mit sich rumtragen und gelegentlich telefonieren oder was in der Wikipedia nachschlagen, sondern es auch beruflich nutzen, also regelmässig seine Mailkorrespondenz damit abwickeln, diverse Webseiten besuchen, sein Blog warten und mehrfach täglich auch Gespräche von mehr als drei Minuten Länge führen, muss man damit Leben, dass die Batterie nach knapp sechs Stunden leer ist. Nachladen ist nur mit einem proprietären Kabel möglich. Der Akku ist nicht austauschbar.

Überlange Kurznachrichten wurden lange Zeit nicht zusammengefasst, sondern in Einzelteilen dargestellt. Dieses Feature, bei anderen Telefonen seit Jahren Standard, wurde erst kürzlich in Version 2.2.1 nachgebesert. Zustellbestätigungen - ein weiterer langjähriger Standard - sind dem iPhone unbekannt.

Die eingebaute Kamera macht selbst bei idealen Lichtverhältnissen Bilder auf einer Qualitätsstufe, wie ich sie einem Mobiltelefon vielleicht vor drei Jahren zugebilligt hätte.

Die Tastatur wird eingeblendet. Bei manchen Programmen, wie dem Browser, ist es möglich, von vertikaler zu horizontaler Betrachtung umzuschalten, so dass die Tastatur breiter wird, man es beim Schreiben leichter hat. Ausgerechnet beim Mailclient funktioniert das nicht, so dass man genau da, wo man viel Text eingeben will, besonders eingeschränkt wird.

Die meisten dieser Probleme sind lösbar, indem man sich legale Software von Drittanbietern installiert oder das Gerät knackt. Dafür bezahle ich allerdings keinen so hohen Preis.

So ein Telefon kostet ohne Vertrag ungefähr 600,- Euro, mit Vertrag noch viel mehr. Es ist unklar, ob das Telefon so lange hält, wie die Mindestlaufzeit der Verträge bei der Telekom ist, die ausserdem noch reichlich unattraktiv sind.
Für 600,- Euro erwarte ich, dass wenigstens Mindeststandards eingehalten werden. Apple scheitert an dieser Erwartung.

Zum Vergleich: Mein altes SonyEricsson K810i teilt nur einen der beschriebenen Mängel und hat einen eigenen: das Ladekabel ist proprietär und der Kopfhöreranschluss braucht einen proprietären Adapter. Dafür bekommt man es mehr als 400,- Euro günstiger.
Mit dem Sony kommt ein USB-Kabel. Damit kann man das Handy als UMTS-Modem an ein beliebiges Netbook anschliessen. Bluetooth geht auch.
Wer unterwegs Internet und Telefon zum Arbeiten oder zum ausgiebigen Spielen haben will, ist mit einer solchen Kombination, ja sogar mit dem Telefon alleine, besser bedient. Zumal es die Kombination auch noch für weit unter 600,- Euro gibt.
(Ein geübter Schreiber ist mit T9 genausoschnell wie mit der Softwaretastatur des iPhones, der eingebaute Mailclient kann alles was ein Mailclient können sollte (mehrere Accounts, IMAP, Attachments) es gibt Google-Maps, Opera-Mini war bisher in der Lage, noch jede Webseite darzustellen, copy&paste funktioniert systemweit, die Kamera ist besser, der Speicher durch Flashkarten erweiterbar, der Akku austauschbar.)


Das iPhone ist ein cooles Teil. Tolle Idee, tolles Design, tolles Interface. Es ist aber auch nicht mehr als eine Spielerei - bei der ich mich ausserdem ständig sorge, dass der Strom nicht reicht, bis ich wieder an der Steckdose bin, dass ich sie beim Feiern verliere oder zerstöre, oder dass sie mir abgezogen wird. Bei einem 170-Euro-Gerät ist mir das eher wurscht.

Wer ein iPhone kauft, kauft leider kein gut gemachtes Produkt, sondern nur ein gut gemachtes Image. Image erzeugen ist sehr teuer und darum kostet das iPhone auch sehr viel. Zuviel.
Solange da nicht massiv nachgebessert ist oder der Preis um mindestens 50% sinkt, würde ich mir keins mehr anschaffen.


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