Seit zehneinhalb Jahren lebe ich in Berlin und seit ungefähr neuneinhalb Jahren stört mich irgendwas an dieser Stadt, was ich nie genau benennen konnte. Ich war schon öfter mal aus Berlin weg, selten länger als für drei Wochen und dann auch nur im Urlaub. Während dieser Abwesenheiten habe ich mich auf die Rückkehr gefreut. Wenn ich diesen Urlaub allerdings irgendwo verbracht habe, wo ich das Gefühl eines ernstzunehmenden Lebens verspürt habe, weil ich nicht in einem Hotel gewohnt habe, sondern beispielsweise in einem gemieteten Haus oder in einer Gästewohnung von Freunden, konnte ich mir nach spätestens 48 Stunden kaum einen Grund mehr vorstellen, nach Berlin zurückzufahren, ausser meinen Freunden und meiner Arbeit dort.
Seit einem halben Jahr verbringe ich die Hälfte meines Lebens auserhalb von Berlin, nicht in Hotels oder Häusern auf Zeit oder bei Freunden auf der Couch, sondern in einer eigenen, zweiten Wohnung, in einem eigenen, zweiten, ernstzunehmenden Leben mit Waschmaschine, Sofa, Anmeldung und Energieversorger.
Seit zweieinhalb Wochen war ich nicht mehr an der Spree und ausser einigen, teils sehr guten Freunden und einem notwendigen Arztbesuch, weiss ich, ehrlich gesagt, nichts, was mich dazu bringen könnte, mich in den Zug zu setzen und die vier Stunden Richtung Nordosten zu fahren. Demnächst kommt wieder Arbeit dazu, dann weiss ich es wenigstens ein wenig besser.
Seit einem halben Jahr spüre ich zwar wesentlich konkreter, scheitere aber dennoch weitgehend daran, zu formulieren, was das Problem mit Berlin ist. Mir fallen zwar einzelne Phrasen ein, die hauptsächlich von einer Art soziokulturellem Autismus des Stadtbewohners zu handeln scheinen, aber einen treffenden Text aus dem Hirn zu wringen, war mir bislang unmöglich. Bis jetzt. Jetzt muss ich sogar gar nicht mehr.
Seit zweieinhalb Tagen weiss ich, warum ich kaum weiss, was mich nach Berlin ziehen sollte und fast alle Gründe stehen in einem wundervollen, köstlichen, kleinen, grünen Buch mit dem Titel „Schaut auf diese Stadt“. Und was da nicht drinsteht, sind so persönliche Gründe, dass ich sie ohnehin nicht aufschreiben würde.
... ihr sogenannter Regierender Bürgermeister, dem ja [...] nichts anderes einfiel, als die Empfehlung, dass, wer die Barbarei dieser Stadt tatsächlich als barbarisch empfinde, gefälligst wieder nachhause gehen könne in sein Dorf - womit er sich schon als genau der lässige und tolerante Weltmann offenbarte, den eine Stadt wie Berlin an ihrer Spitze braucht...
Seit ich zumindest spüre, begriffen zu haben, was das Problem mit Berlin ist, habe ich aufgepasst, dass das alte Gefühl nicht zurückkommt. Dieses borniert-weltstädtische Überlegenheitsgefühl, dass es eigentlich ja ausschliesslich völlig super ist in dieser kaputten, dreckigen, stinkenden Stadt voller rücksichtsloser, scheintoleranter, egozentrischer Menschen mit kaum vorhandener Sozialkompetenz, die ja auch eigentlich alle ausschliesslich völlig super sind und ich mit ihnen. Seit dem Frühjahr sehe ich die Gefahr jeweils anrollen, wieder, wie sie, zu denken, dass mich alles ausserhalb doch bitte ganz gepflegt im Arsche lecken soll, schliesslich bräuchten wir hier den Rest der laschen, kleingeistigen, rückständigen Republik ja wohl gar nicht, sonder die vielmehr uns. Dieser Realitätsverlust ist dann auch die bevorzugte Haltung derer, die nicht einfach nur in Berlin, sondern auch - und vor allem - berlin leben, also eine Stadt absurderweise zu einem Gefühl stilisieren. Zuviele dieser Leute bevölkern diese Stadt und ihre Haltung kommt fast jedem gefährlich nahe, wenn er oder sie nur hinreichend Zeit, also ein paar Monate, an der Spree verbracht hat und für nur einen Moment unaufmerksam war. Da unterscheiden sich die Einheimischen auch wenig von den Zugezogenen, die aber immerhin noch die Wahl hatten.
Seit ich das Buch gelesen habe, habe ich sogar begriffen, wie man sich gegen die Einnahme dieser Haltung relativ einfach imprägnieren kann, auch darum finde ich es so empfehlenswert. Und wem es gelingt, die Anleitung zwischen den Zeilen zu finden und ihr zu folgen, dem kann es, möglicherweise sogar langfristig, einigermassen gutgehen ohne vernünftige Brötchen, zwischen all dem Dreck, dem Geschmiere, dem Gestank, dem Verfall, der viel zu laut und öffentlich zur Schau gestellten Dümmlichkeit, unter zuvielen Leuten, die Kreativität mit Gesabbel, Transferleistungsempfang mit Wertschöpfung und einen beliebigen stilistischen Fauxpas mit Avantgardismus verwechseln.
Denn so ein paar Dinge scheinen Berlin für mich und andere ja schliesslich auch äusserst lebenswert zu machen. Welche das sind, kann nicht genau benennen und ob die jetzt, wo ich einen tendenziell negativen Erkenntnisgewinn mitschleppe, weiterhin ausreichen werden, wie in den vergangenen zehn Jahren, weiss ich auch noch nicht. Ich habe mir aber vorgenommen, das alles noch rauszufinden und diese Scheinmetropole wohlwollend zu durchschreiten und zu betrachten. Demnächst. Allerdings nicht im Winter.
ja, ja und nochmals ja, kann dir da nur zustimmen und empfinde ähnliches. dieser berlinhype geht mir auch gehörig auf den sack.
aber ich schätze mal das im medienbereich die anzahl der heißdüsen noch größer ist als in der manchmal schon schwer erträglichen natürlichen umgebung. damit mich hier keiner falsch versteht - berlin mon amour - für mich bist du immer noch die stadt meiner träume, auch wenn ich aus wirtschaftlichen erwägungen im moment die rheinische gastfreundschaft genießen darf.
ich kenne berlin sehr gut, war auch oft vor 1989 in berlin. ich fahre beruflich reisebus und wohne im rheinland, so habe ich berlin natürlich immer nur aus dieser perspektive erlebt. dann habe ich mal 6 monate in berlin gelebt, selbst nach dieser kurzen zeit verstehe ich sehr gut was du meinst. trotzdem war es für mich eine schöne zeit und bin auch heute noch immer mal wieder gerne in dieser stadt. ich sehe das so: "man sollte es mal erlebt haben-)" aber das reicht dann auch!!!
also ich hätte ganz sicher schaden genommen, wenn ich dort geblieben wäre!
das lag aber "auch" am umfeld....ich denke mal da wäre der schaden in hamburg, köln oder münchen auch nicht geringer gewesen!
so war es aber nur eine nette erfahrung!
Es hat ja auch was Lebenswertes. Man darf sich nur eben nicht einlullen lassen. Und die Frage, ob man an einem anderen Ort demselben Schaden genommen hätte, beantworte ich anders. Weil es Berlin viel folgenloser ist, zu scheitern, muss man nämlich nicht so sehr auf sich aufpassen. Das ist gleichzeitig ja auch einer der Reize der Stadt. Und wahrscheinlich auch der Umstand, der den Quasi-Kindergarten erst ermöglicht.
Hype oder Bashing. Total egal. Jede Stadt hat so seine Vor- und Nachteile und es kommt dann auch noch darauf an, in welchem Teil der Stadt man wohnt und ob man sich dort auch wohl fühlt.
Man liest immer wieder, dass Berlin stinken soll. Sicherlich tut sie das. Aber meines Erachtens tun das andere Städte genauso, nur toleriert man das bei einer anderen Stadt mehr, die man sowieso mehr mag.
Etwas weltmännisches kann ich in Berlin nicht entdecken. Im Regierungsviertel herrscht Größenwahn, in Mitte Geltungssucht und Schiquimiqui, in Friedrichshain wohnt die Studentische Elite und die, die es mal waren. Kreuzberg als Multikulti verschrieen entpuppt such dann doch als normaler Stadtteil mit den üblichen Bescheuerten, Kleinkarierten, Pseudotypen. In Neukölln macht jeden Tag nen Handyladen auf und wieder zu. Und zwischen all diesem Gesellschaftsterror und Idiotengetue gibt es immer wieder nette Ecken, Menschen, Zeiten wo man Freude verspürt. Nimmt man einfach nur das, dann kann man eigentlich in jeder Stadt glücklich werden. Auch in stinkenden Städten wie Köln, Hamburg, Hannover, Frankfurt, Stuttgart, etc ;-)
Na was für eine Erkenntnis Holgi. Und deswegen soll es in Hannover jetzt toller sein, obwohl da in den letzten 20 Jahren kein einziger neuer Club aufgemacht hat? Klar, man kann auch in der Bagwahn-Disco seinen Spass haben und am Ende seines Lebens mag man vielleicht nur noch gepflegte Gärten schätzen.
Was ich so schätze an Berlin ist, dass es immer offen für das Experiment ist. Wenn man hier Unmögliches ankündigt, dann sagen die Leute: sag mir Bescheid, wenn es so weit ist. In Hamburg fragt man nur, ob man das auch bezahlen kann und in München ruft man die Polizei.
Mal davon abgesehen, dass ich nicht geschrieben habe, dass Hannover tolles ist, kann man 'offen für das Experiment' auch bezeichnen als Kindergarten. Verantwortungslosigkeit und freie Kost inklusive. Und dafür, dass man auf dem Weg zum Experiment ständig in Hundescheisse tritt, kann ich auch keine Rechtfertigung finden.
Versteh mich nicht falsch. Kindergarten finde ich super - er sollte nur nicht vorgeben, etwas anderes zu sein. Dann wirds schnell albern und Menschen schreiben seltsame Bücher über einen.
Ähnlich lang hier. Komischerweise gings mir grad umgekehrt. Was das unterschwellig Nervige ist, ging mir nach nem halben Jahr spätestens auf (was ich für mich in den Begriff "Behauptstadt" gegossen habe) und hat mir bestimmt die ersten fünf Jahre auf die Laune gedrückt (nein, ich kam nicht freiwillig).
Seitdem stetes Gelassenerwerden mit dem Gefühl, auch: weil meiner Beobachtung nach einfach a) immer mehr unabhängig voneinander agierende Neben- nunja - szenen entstanden sind, die tendenziell b) immer unprätentiöser werden (auch das Gegenteil existiert natürlich immer noch unbenommen) - vielleicht hab ich mich aber auch einfach nur dran gewöhnt.
[Es wird mir übrigens langsam unheimlich, dass ich mich hier bei jedem einskommafünften Eintrag zu einem Kommentar bemüßigt fühle]
Es gab auch bei mir diesem Effekt. 2005/2006 was das. Für vielleicht 15 Monate oder so. Da war auf einmal alles irgendwie super. Ich hatte aber auch keine Distanz mehr, nicht mal räumliche. Entsprechend jäh war das Erwachen, als die Distanz plötzlich kam. Und das Gefühl der Peinlichkeit, weil ich die eingangs beschriebene Haltung angenommen hatte, war ebenfalls entsprechend. Ich kann mittlerweile verstehen, warum wir Berlinbewohner von aussen so oft belächelt werden. Der Grund ist leider nicht Neid.
Hm, also ein solches Ueberlegenheitsgefuehl hab' ich hier nie empfunden. Ich bin urspruenglich zu einem bestimmten Zweck nach Berlin gezogen. Mein Rueckkehr-Hintertuerchen in Form einer untervermieteten Wohnung (allerdings ja auch in einer Grosstadt) hab' ich dann nach ca. vier Jahren verloren.
Meine ersten drei Wochen wohnte ich auf der Schlesischen Strasse in Kreuzberg auf einer Gaestematratze, dann wohnte ich in Lichtenberg und in einem Eck zwischen Pankow/Wedding/Reinickendorf. Das hatte nie wirklich Hip-Charakter, und die erwaehnten Gestalten laufen mir eigentlich eher selten ueber den Weg.
Was mir bei den Besuchen 'auf dem Dorf' aber sehr in's Auge faellt, ist, dass man sich dort eher (und natuerlich faelschlicherweise) eine Heile Welt einbilden kann. Soziale Verwerfungen sind bei weitem nicht so offensichtlich. Irgendwelche Aussenseiter fluechten in die naechste Grosstadt oder treiben das ganze Jahr ueber Maskerade. Der alte oder junge Nazi ist der Kumpel von nebenan aus dem Gartenbau- oder Fussballverein. Jugendliche Auflehnung z.B. als Punk hat manchmal etwas Ruehrendes. Um dies oder jenes erledigen zu koennen, ist man ziemlich oft angewiesen auf ein Auto, das ich nicht habe und mir auch nicht leisten kann.
Irgendwie bin ich froh, Teile von beidem zu haben und zu kennen. Der Blick mit etwas Distanz hilft einem immer wieder, Vor- und Nachteile zu sortieren und fuer die eigene Situation einzuschaetzen.
Distanz ist immer wichtig. Und genau die verlieren viele Menschen, wenn sie in Berlin sind. Zu sich und zu der Stadt. Oder vielleicht kommen sie überhaupt auch erst, weil ihnen Distanz sowieso fremd ist.
Herrlich, endlich mal ein Bahnhofsfoto von einem not en vogue-Bezirk. ;-)
Hach, als gebürtige Berlinerin weiß ich immer nicht, ob mich diese ewige Auseinandersetzung der Zugezogenen in diese Stadt nerven soll (was nicht so böse gemeint ist, wie es jetzt klingt aber wer hier seit seiner Geburt lebt, hat viele Menschen und Freude kommen, kritisieren und wieder gehen sehen) oder ob ich froh sein soll, weil ich dieses Berlin einfach so nehmen kann wie es ist. Ich musste ja nie grenzenlos darüber enttäuscht sein, weil mich die Stadt nicht mit offenen Armen empfangen hat – so wie es sich jeder wünscht und erträumt, der den Fuss in sie setzt – klar, ich hatte ja auch nie diesen hohen Anspruch an diese Stadt. Ich durfte sie nehmen wie sie war. Ohne Illusionen. In sie hinein- und in ihr aufwachsen, was ich immer noch als ein großes Glück begreife.
Wenn ich über Dreilinden nach dem Urlaub die Avus hoch fahre und den Funkturm sehe, das ist eines der schönsten Gefühle, die ich habe. Immer hatte. Immer haben werde. Für mich ist das Glück, weil's mein Berlin ist. So wie es ist.
Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich grenzenlos enttäuscht bin, creezy. Wie kommst du darauf?
Und sich zu definieren darüber, dass jemanden bespielsweise der Gestank nach Scheisse stört, ist genau die Haltung, vor der ich warne. Von da aus ist es nämlich nicht mehr weit dahin,es gut zu finden, in welchem Zustand die Stadt sich befindet. So ähnlich, wie es Leute gibt, die Schmierereien an Hauswänden für unverzichtbaren Bestandteil der städtischen Kultur halten. Ich halte das einfach nur für rücksichtslos.
bei mir treten alle paar jahre phasen auf, in denen ich bestimmte aspekte der stadt verachte und da muss ich dir recht geben, dies sind dann tatsächlich reinigende momente, in denen man gesunde distanz zu all dem trubel gewinnt. ca. 1999/2000 war die stadt ja eine halbe katastrophe gewesen - im rausch, im taumel - in der zeit hat es mir gut getan mit meiner leipziger freunden (die ursprünglich aus frankfurt a.M. kommen) durch berlin zu ziehen und die hypes hinter mir zu lassen. all dieses popkulturelle geschwurbel und gezurbel beiseite zu schieben. mehrfach ins ausland zu fahren und so weiter. danach war ich wieder mit der stadt versöhnt, zudem umgezogen, in meinem leben persönlich um ein paar erfahrungen reicher und aufgeschlossener gegenüber neuen dingen - innerhalb wie außerhalb von berlin.
Ich habe den Eindruck, dass genau sowas mir auch momentan passiert.
Allerdings fühle ich mich in Frankfurt auch sehr wohl. Vielleicht bleibe ich Pendler - hat ja auch Gradezza ;)
Das «grenzenlos enttäuscht sein» bezog sich aus meiner Sicht auf die «viele Menschen und Freude kommen, kritisieren und wieder gehen sehen» aus meinem vorangestellten Satz. Du setzt Dich ja (noch) wenigstens mit Berlin auseinander. Darin habe ich ich noch keine Endstation erkannt.
Das Band zu breiten von Hundescheiße in Richtung Graffiti ist ein ziemlich weites und gibt das Bild dieser Stadt auch nur partiell wieder. Es ist doch aber komisch, dass Menschen, die nach Berlin kommen genau diese – ich nenne das mal Rücksichtlosigkeit dem fremden Eigentum als auch den mehr oder weniger fremden Mitmenschen gegenüber – anfänglich gerne verklärt als die besondere Freiheit in dieser Stadt begreifen und das auch oft als besonders schick und großstädterisch begreifen wollen. Da sitzt man als Berliner schon nebenbei und wundert sich, wie man gewisse Dinge wirklich „cool” finden kann. Und just in dem Moment, in dem man sich mal wieder hat überzeugen lassen, diese Dinge mit dem wohlwollenden Auge der anderen «Fremden» sehen zu wollen, hat der seinen ersten Winter hier in der Stadt mitgemacht und findet genau das nur noch sch…
Na, wie soll diese Stadt da noch mitkommen können?
Hundscheisse und Schmieren habe ich nur in einem Atemzug genannt, um auf das Problem zu deuten, dass man dazu neigt, irgendwann zu glauben, es gehöre irgendwie dazu.
Das Verwechseln von Freiheit mit Rücksichtslosigkeit ist auch eins der grössten Probleme der Stadt, denke ich.
"Denn so ein paar Dinge scheinen Berlin für mich und andere ja schliesslich auch äusserst lebenswert zu machen."
Ich schätze in Berlin das Gefühl, mich inmitten eines riesigen Organismus zu befinden, den ich nicht überblicken kann. Es überkommt mich besonders in der U-Bahn. Eine Mischung aus Geborgenheit, Anonymität und der Erkenntnis der eigenen Winzigkeit. Das Gefühl ist in New York noch intensiver, weil in 3D.
So etwas bietet nur eine große Stadt. Das könnte Berlin sein oder eine andere, aber in Deutschland schafft das, soweit ich absehen kann, nur Berlin (ich habe allerdings nie in Hamburg gelebt). Köln, Düsseldorf, Dresden, München: Weit entfernt. Dazu kommt: Berlin schließt niemanden aus, weil sich anders als z.B. in London oder New York fast jeder fast überall eine Wohnung leisten kann.
Das "borniert-weltstädtische Überlegenheitsgefühl" habe ich auch bemerkt, und mich kotzt es ebenfalls an. Es ist eine ähnlich blöde Haltung wie Nationalstolz: Selbstwertbezug aus Dingen, für die man nichts kann. Aber ich kann gut darüber hinwegsehen. Auch im Winter.
laufe ich zu sehr mit geschlossenen Augen durch die Städte. Geboren in diesem Berliner Bezirk mit dem Charme von Bielefeld, der auch im zweiten Teil des U-Bahnhof Namens auf dem Foto seine Verwendung findet, lebe ich jetzt seit längerem im Bush Land. Für mich sind überall die Leute wichtig...mit denen ich zu tun habe. Sind diese gut, dann stören mich die Bielefelds dieser Welt nicht. Vielmehr bemerke ich die die negativen Dinge dann gar nicht.
Vielen Dank für das Foto. Dieser U-Bahnhof ist mir bestens bekannt...und erinnert mich doch positiv an Berlin. Ein "borniert-weltstädtisches Überlegenheitsgefühl" finde ich in Tempelhof auch eher selten...das wäre sicherlich dann doch fehl am Platz.
Ich bin Berliner und wohne seit geraumer Zeit in den alten Bundesländern. Und mit dieser Distanz war es mir auch möglich, einen etwas kritischeren Blick zu schmeißen.
Meiner Meinung nach kann man zwei Gruppen Menschen außerhalb Berlins beobachten. Die einen finden Berlin einfach unheimlich cool und wollen dort unbedingt mal studieren und Party machen. Der andere Teil lächelt nur milde.
Alles mehr als Schein als sein. Die Stadt ist voll mit Irren und Orientierunglosen, die glauben, das kulturelle Stück Sahne darzustellen.
Jeder ist artist. Und wenn auch noch im letzten Hinterhof in Marzahn ein Dixiklo mit Stacheldraht umbaut wurde und zu Kunst erklärt wird. Egal, hauptsache stylisch und "anders".
Berlin stellt immer Ansprüche auf ihre Extrastellung als Hauptstadt und überhaupt den universellen Anspruch auf alles. Dabei ist es nur ein gehyptes und bis zum Kotzen subventioniertes Loch, in dem in der Tat jede Ecke stinkt. Übrigens nicht nur nach Hundescheiße.
Wären nicht Familie und Freunde, hätte ich auch keinen Grund, Berlin weiteren Besuch abzustatten. Meine Meinung wird von ihnen natürlich nicht geteilt, sowieso. Was ich aber ganz gut nachvollziehen kann. Wenn man drin steckt, wirkt es anders. Aber es gibt lebenswertere Städte in Deutschland. Das mit Sicherheit.
Weil der Karo-König und ich beide nur den Bahnhof von Fulda kannten, beschlossen wir Anfang September, da mal hinzufahren. Ich habe Fotos gemacht, weil ich bei Gelegenheit davon erzählen wollte - ich habe nur noch nicht die Begegnung mit einem Kat der dritten Art, die wir im Dom-Museum hatten, in Worte fassen können.
Als meine Schwester in Fulda studierte, begaben wir uns oefters in den Kreuz-Saal in Fulda-Horas. Dort traf man kaum Kat ueberwiegend aufgeschlossene Menschen, die auch etwas wildere Musik und schraegere performances mochten. Trotz des Namens.
Berlin is sowieso nur schön, wenn du Tourist bist.
Ich habe nur 10 Tage gebraucht um zu sagen: "Danke, reicht." Dann musste ich lt. Fahrkarte sowieso zurück in den Nordosten.
Wenn mich jemand fragen würde, welche Teile Berlins am schönsten sind, die Antworten wären Strausberg, Teltow, Potsdam und vllt. auch noch Rahnsdorf.
Berlin is so eine richtige "Buäh"-Stadt, aber alle wollen hin.
Dabei hat das Umland soviel mehr zu bieten.
Manche Ecken von Teltow kommen auf meiner Würdigungsskala noch hinter Magdeburg.
Der Karo König macht interessante Sachen. Vielleicht steige ich demnächst einfach mal in Jena-Paradies oder Kassel-Wilhelmshöhe aus. Oder in Hamburg mal in/auf Mümmelmansberg.
Für Wilhelmshöhe besser mal einen ganzen Tag einplanen. Am besten mit dem Bus hoch zum Herkules und dann runterlaufen. Löwenburg nicht auslassen. Großartiger Garten, da.
Der Karo-König ist für solche Sachen immer gut zu haben. Angefangen hat es damit, dass ich ihm vor ein paar Jahren einmal zum Geburtstag einen Ausflug schenkte, seither machen wir das ein-, zweimal im Jahr. Fulda war sein Vorschlag.
Nach Kassel ins Museum für Sepukralkultur haben wir es bislang noch nicht geschafft, da wollen wir aber auch noch hin. Vielleicht zusammen mit der besten Freundin, mit der hatte ich das schon viel länger vor, aber den Karo-König interessierte das auch.
Jena-Paradies gäbe bestimmt eine schöne Bildergeschichte.
Ich glaube, die Frage ist: Provinz oder nicht Provinz. Willst Du Ruhe oder willst Du Krach. Wie wäre es außerdem mal WIRKLICH mit Abstand auf Berlin zu kucken und die Stadt mit solchen Ansiedlungen wie Los Angeles zu vergleichen? Da sind die Leute mal richtig bekloppt. Und gerade deswegen mag ich Los Angeles. Die menschliche Natur wird gerade in großen Städten deutlich, alles saubere und stille ist gelogen.
Was du als menschliche Natur ansiehst, ist doch aber allenfalls die Natur der Bewohner Berlins, die Natur von nichtmal fünf Prozent der Bevölkerung der Bundesrepublik; höchstens fünfzehn, wenn du die Einwohnerzahl aller grossen Städte wohlwollend zusammenimmst. Und das mutmaßliche Verhalten einer solchen Minderheit, deren menschliche Natur, die teilweise sogar barbarisch daherkommt, verallgemeinerst du zur Wahrheit? Das ist wirklich mal eine bornierte Betrachtung.
Und Berlin ist keine Metropole. Lange nicht. Darum würde mir auch im Traum nicht einfallen, Berlin mit einer Metropole zu vergleichen.