Ich habe in den vergangenen Tagen viel Zeit im Auto verbracht und sehr viel Deutschlandfunk gehört. Da ging es im wesentlichen um das Hochwasser in Brandenburg und um Google.
So amüsant ich es finde, dass die ganze Republik jetzt Spremberg kennt, wo ich seit vielen Jahren gerne zu Gast bin (die Lausitz ist sowieso ein prima Reise- und Ausflugsziel), so befremdlich finde ich, was da gerade in Sachen Google passiert.
So sehr ich mich bemühe, bin ich nicht in der Lage, in Streetview ein Problem zu erkennen. Das Ding ist, bei allem Spaß, den es mir zu bereiten in der Lage sein dürfte, so überflüssig wie ein Kropf. Mir fallen auf Anhieb fünf Fragen zu diesem Dienst ein, aber keine dreht sich um Datenschutz oder Privatsphäre. Es gelingt mir beim besten Willen nicht, in Streetview die große Gefahr zu erkennen, die dieser Tage, leider mit mehr Geraune als handfesten Szenarien, heraufbeschworen wird.
Das sieht mir aus, wie ein Strohmann, hinter dem irgendwelche, eigentlich dringendere, mir möglicherweise nicht bekannte Dinge versteckt werden sollen. Gerade weil die Aigner ihr Maul in dieser Angelegenheit so weit aufreißt - dasselbe Maul, das der Nahrungsmittelindustrie so gerne nach dem Mund redet.
Und dass die Journalisten drauf abgehen, ist klar. Die haben Angst vor der Veränderung, für die Google ein Symbol ist, haben mittlerweile festgestellt, dass Negieren ein Problem nicht verschwinden lässt und versuchen jetzt, den Überbringer der Nachricht zu enthaupten. (Bitte verzeiht diese lasche Metapher).
Ich bin gespannt, wann sie merken, dass eine Abschaffung der Netzneutralität tatsächlich dazu reichen kann, ihr fossiles Geschäfts- und Herrschaftsmodell (jaja, großes Wort - ich hab getrunken) am Leben zu halten. Jedenfalls für ein paar mehr Jahre.
Aber das ist ein anderes Thema.
Zustimm. Auch wenn ich bemerken möchte:
"Das Ding ist, bei allem Spaß, den es mir zu bereiten in der Lage sein dürfte, so überflüssig wie ein Kropf."
Selbiges sagte man auch auch mal über twitter, Home-Computer, usw. und es soll Leute geben, die das auch von Wein behaupten (Ich nicht!) ;)
Noch ein Verständnisproblem: Du meinst das fossile Geschäfts- und Herrschaftsmodell der Journalisten/Verlage? Und wenn ja, wieso sollten sie das nicht jetzt schon wissen? Etwas verwirrt ...
Die meisten Sachen sind überflüssig. Und ich habe auch nix dagegen, wenn sich jemand darüber aufregt. Aber darüber regt sich ja keiner auf, sondern über eine sehr diffuse Gefahr.
Wenn sie es begriffen hätten, würden sie eine entsprechende Netzneutralität-ist-böse-Kampagne fahren ;)
Das war jetzt auch nicht so wirklich ernst gemeint mit dem überflüssig ;)
Ja das mit der Netzneutralität wird sicher auch aus eigenem Interesse nicht so an die große Glocke gehängt, wobei ich glaube, dass es einfach auch kein dankbares Thema abgibt. Häuserfassaden hat so gut wie jeder, das kann man jedem erklären, und auch einfach dramatisieren. Nackscanner z.B. betreffen halt auch nur Fluggäste. Und wenn man dabei auch noch den Hauptkonkurrenten google vor der Flinte hat, und die Politik von rechts bis Links im Rücken http://www.fr-online.de/politik/ich-widerspreche--weil----/-/1472596/4549334/-/index.html dann kann man schon mal aus allen Rohren feuern. Vierte Gewalt *BWWAAHHHAAA*
"Häuserfassaden hat ... fast jeder". Stimmt nicht ganz. Nur Hausbesitzer. Ich bin Mieter. Und wohne auch noch in einem Haus, das in einer vor allem von Touristen begangenen Fußgängerzone steht. Das wird jeden Tag ..zig mal fotografiert. Wenn das StreetView-Mobil vorbeikommt, möchte ich gern meinen Nackten aus dem Fenster halten. Ob die mir Bescheid sagen, wann sie kommen? Oder waren sie schon da? Oder wäre ich sowieso zu feige?
@Holger: Ich gehöre zu den Menschen, die StreetView bereits praktisch genutzt haben. Ich habe mich vor meiner letzten US-Reise und bei der Nachbereitung (Fotos mit Geotags versehen) immer sehr gut in den Großstädten orientieren können. Wenn es Menschen gibt, die sich durch den Dienst bloßgestellt fühlen, schlage ich denen vor, sich kameradichte Zäune ums Häusle zu stellen. Oder in den Wald zu ziehen ;)
Für mich ist die Sache klar, weil Menschen nun mal so sind, wie sie sind. Nämlich einerseits dumm, andererseits einfältig (hach, wie ich diese Verallgemeinerungen liebe:) )
Dumm, weil die ganzen anderen Datenschutz-Baustellen, die es wirklich verdient hätten, dass man sich darüber empört keine Beachtung finden, weil die Leute einfach viel zu unaufgeklärt durch die Gegend rennen und einfältig, weil sie jetzt schön brav genau der Sau (Google) hinterher schauen, die medienwirksam gerade durchs Dorf getrieben wird.
Ist doch immer das gleiche. Wenn nun morgen die Zeitungen berichten, dass die Lebensmittelindustrie gar keine Tomaten in ihren Tomatensaft tun, wird sich darüber aufgeregt. Von wegen Aufklärung und Heraustreten aus der Unmündigkeit. Mal Verstand benutzt und nachgedacht ist heute genauso selten, wie schon vor 500 Jahren.
Genau in diese Furche möchte ich einhaken. In meinem personalisierten, weltoffenen(wenn auch deutsch-pressiertem) Google-News-Ding sieht man seit Sonntag den Verlauf/Werdegang der "Flut" in Deutschland. Liest man da etwas von Tschechien, Polen oder gar Pakistan? Was ist denn mit Haiti? Vergessen? Die Schuld der Suchmaschine? jahaaha...
Google Streetview wird deshalb als diese große Gefahr empfunden, weil es hier das erste Mal um etwas geht, wo sich viele betroffen fühlen dürfen und gleichzeitig der Meinung sind, sie wüssten worum es geht: "Die fotografieren einfach unsere Häuser!!!"
Die bisherigen skandalösen Machenschaften von Internetunternehmen waren nie wirklich verständlich für eine konservative Bevölkerung, die keine Erfahrungen mit Computern und Internet hat. Zusammenführung von Daten, Cookies, Swift, Security Holes, da versteht doch keiner was von. Da kann man als Datenschützer oder Politiker alles mögliche zu erzählen, das ist und bleibt abstrakt. Wir, die wir täglich damit umgehen, dürfen nicht vergessen, dass es unglaublich viele Menschen gibt, die, auch wenn sie möglicherweise das Internet benutzen, keinerlei Idee davon haben, wie das funktionieren könnte. Für die ist das wie Fernsehen, nur anders.
Ich bin der Meinung, dass gerade Streetview vielleicht Googles harmlosester Dienst ist. Alle Argumente, die ich bisher dagegen gehört habe, sind so an den Haaren herbeigezogen... Also nee. Verbrecher könnten im Vornherein Objekte auskundschaften... Au weia!
Und die Journalisten gehen auch wie immer nur deshalb darauf ab, weil alle anderen darauf abgehen. Das hat glaube ich wenig mit der Revolution der Massenmedien zu tun.
"Alle" gehen ja immer erst ab, nachdem die Journalisten abgegangen sind und ihre Kampagnen anfahren. Ich gehe übrigens nicht von einer Verschwörung aus, sondern davon, dass eine pseudokritische Berichterstattung über batattfindet, weil eine solche sich stark mit der ablehnenden Einstellung der Kollegen deckt (die ihnen nichtmal bewusst ist, die man aber, immer wenn es ums Netz geht, zwischen den Zeilen hören kann - vor allem im Redaktionsalltag).
Nee, hast ja recht. In meinem letzten Satz äußerte sich wohl nur die Enttäuschung über die große Zahl der Journalisten, die sich passiv steuern und treiben lassen, anstatt selber aktiv Impulse zu setzen.
Der Punkt, den ich eigentlich machen wollte, befindet sich in den Sätzen davor ;-)
Raul Krauthausen hat wohl gerade SPON ein Interview gegeben, zu Streetview und Rollstuhlfahrern.
Bin mal gespannt, aber plausibel klingt es schon mal: http://twitter.com/RAULde/status/20964653467
Gibt es eigentlich i <3 google streetview t-shirts?
Vielleicht sollte man neben dem ganz arg böse und gemeine Spannern-Sieben-und-anderen-Bösewichten-Tor-und-Tür-zeigenden-Google-Streetview auch diverse Städte, Planer u.ä. an den selben Pranger stellen. Warum? Na weil die (natürlich nicht alle)auch wunderschöne 3D-Stadtmodelle auf Grundlage von Fotos in Verbindung mit 3D-Vermessung und das in liebevoller Kleinarbeit mit liebe zum Detail, dass man dort genauso virtuell durch die Straßen spazieren oder auskundschaften kann wie beim Streetview, in denen man t.w. auch Geschäfte betreten und sich umschauen kann.
Da ist es gewollt und wird für viel Geld in Auftrag gegeben. Es wird gemacht um Touristen/Investoren/Käufer anzulocken. Um sich attraktiver zu machen. Es wird betont. Das das nach hinten losgehen kann, wird da scheinbar stillschweigend in Kauf genommen -beim Streetview werden diese akzepierten "Mangelpunkte" laut rausgeschrien.
In meinen Augen unterscheiden sich Streetview und 3D-Stadtmodel mehr oder weniger nur in Auftraggeber und Bekanntheitsgrad.
Wer nicht mit nacktem Arsch vom Google-Streetview-Mobil (oder jedem anderen mit Kamera/Handy etc zur Hand) fotografiert werden will, sollte nicht mit nacktem Arsch rumlaufen ... und Teile der internetkundigen Kritiker sollten sich einfach mal überlegen was für fremdschämwürdige Inhalte sie freiwillig von sich (und oft auch anderen) sie ins Netz(-werk) Stellen!
die klavierlehrerin,
Donnerstag, 12. August 2010, 20:27
Also: Ich hingegen verstehe nicht, dass diese massive Datensammlung und -verknüpfung für Dich und andere so unproblematisch ist. Finde schon, dass mir Google mit sv immer näher auf die Pelle rückt. Denke auch, dass die denkbaren Gefahren deutlich konkreter sind als bei sonstigen heiß diskutierten Datenschutzfragen. Außerdem: Klar gibt es auch andere wichtige Probleme (Netzneutralität, Speicherung durch den Staat...), aber was ist das für ein Argument? Es gibt auch wichtigere P. als Netzneutralität. Und nu?
Wer mich jetzt zur Aigner machen will, der bekommt Internetverbot.
ich verstehe es auch nicht. wer unbedingt sehen will, wer wie wo wohnt (und die adresse hat), der konnte auch jetzt schon hinfahren oder jemanden hinfahren lassen und gegebenenfalls fotos machen. jetzt geht's dann halt einfacher (und von der bildqualität her schlechter). tscha, ich wohne wo, und das haus ist physisch da und man kann es ansehen - wow, *big deal*.
@ itha: Wieso denn hinfahren? Google Earth liefert doch bereits wunderbare Satellitenbilder, oft in hoher Auflösung. Da kann ich doch schon sehen, wer Geranien vor dem Fenster hat. ;-)
Und sogar in die Gärten und Hinterhöfe gucken.