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Ich hatte neulich mal gesagt, dass ich mich ungern als "Journalist" bezeichne, weil ich Ansprüche an Journalisten stelle, die ich selbst nicht erfülle. Journalisten reklamieren für ihren Stand eine gesellschaftliche Sonderstellung - und ich finde, dass sie sich diese verdienen müssen, indem sie auch besonders sorgfältig und unfragwürdig arbeiten.
Passend dazu präsentiert Johannes Boie von der Süddeutschen Zeitung, was das Gegenteil von einer solchen Arbeit ist.

Wenn man Geschichten erzählen will, ist es wichtig, deren Ende schon im Kopf zu haben. Jedenfalls, wenn man eine erfundene Geschichte erzählen will. Bei Nachrichten verhält es sich ein wenig anders. Da sollte man ergebnisoffen recherchieren und bereit sein, sich von seiner Geschichte zu verabschieden, wenn sie doch nicht auf eine solche Weise erzählt werden kann, wie man das zu Beginn vermutet hat.

Johannes Boie hat eine Geschichte erfunden. Teil der Geschichte ist, mich als Verschwörungstheoretiker hinzustellen. Um das hinzubekommen, schreibt er "Bei Holgi heißt es dazu, das Interview sei “gekürzt worden”. … Das ist nicht nur eine  Unterstellung, sondern auch falsch.".
Abgesehen davon, dass er mich falsch zitiert, ist das dummes Zeug. Denn selbstverständlich sind sowohl das Interview, wie auch das Transkript gekürzt worden. Wären sie nicht gekürzt worden, wäre die entsprechende Stelle mit dem, früher am Tag gesendeten, Köhler-Zitat nämlich sowohl nächträglich hörbar, als auch nachlesbar gewesen.
Boie tut, als hätte er in der Blogosphäre recherchiert, also sollte man von ihm annehmen können, dass er sich mit den Grundlagen dieser Publikationsform auskennt. Er ignoriert aber zwei für das Onlinepublizieren wesentliche Dinge. Die Uhrzeiten, zu denen Beiträge und Kommentare verfasst worden sind - und die Inhalte der Kommentare unter den Beiträgen, auf die er sich beruft. Kommentare sind integrale Bestandteile eines Blogartikels, die kann man nicht ignorieren. Er aber muss das machen, damit seine Geschichte von Holgi, dem Verschwörungstheoretiker überhaupt noch aufgeht, denn aus den Kommetaren geht eindeutig hervor, dass ich gerade nicht eine Verschwörung unterstelle, sondern einfache Schlamperei.

Seit über einem Jahrzehnt bewege ich mich in der Öffentlichkeit und bin gewohnt, dass immer mal wieder irgendwelche Trolle aus dem Wald kommen und meinen, mir am Bein rumnagen zu müssen. Bisher lag das immer daran, dass sie nicht verknusen können, dass ich zu irgendeinem Thema eine andere Meinung hatte als sie und diese öffentlich kundgetan habe - oder daran, dass ich irgendwem einfach nur unsympathisch war, diese Person aber zu stulle, einfach ein anderen Programm zu hören oder zu lesen. Das wäre die eine mögliche Begründung für das unwürdige Verhalten von Johannes Boie. Eine andere - und wie ich finde auch die weitaus plausiblere - ist einfache, dümmliche, dünkelhafte Schlamperei.

Und jemand, der so unsaubere, so unverschämte Arbeit abliefert, soll bei Polizeieinsätzen unbehelligt bleiben; soll sich auf Informantenschutz berufen dürfen, wenn er vernommen wird; soll besonderen Schutz vor Abhörmaßnahmen des Staates genießen; soll sich also "Journalist" nennen dürfen? Dann bin ich sicherlich Journalist. Schlampig arbeiten und unverschämt sein kann ich nämlich auch.
Aber ich hätte es gerne anders. Ich hätte gerne, dass die Schlampen Schlampen bleiben und ich mich stets darauf verlassen kann, dass Leute, die sich "Journalist" nennen, ordentliche, transparente und unfragwürdige Arbeit abliefern, der man einen Vertrauensvorschuss geben kann. Und darum nenne ich mich nur sehr ungern "Journalist". Und Johannes Boie sollte sich schämen.

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Recherche ftw
Ich finde es schon sehr lustig, dass der feine Herr nach seiner "Recherche" trotzdem noch Argumente in seiner komischen Welt dafür gefunden hat, dass du ein Verschwörungstheoretiker bist. Ich meine, wenn du eines nicht bist und was man schnell herausfinden kann, dann, dass du kein Verschwörungstheoretiker bist.
Aber gut, Kleingeister muss es auch geben ... Aber warum so viele?

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Ich bin sehr gespannt wie Boie dazu Stellung beziehen wird. Vermutlich garnicht.

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Ich bin gespannt, was in der Süddeutschen stehen wird.

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Entweder bin ich zu blöd Boies Kritik zu kapieren, oder das ist alles wirklich so offensichtlich.
Boie schreibt doch selber, dass das nachträglich online zur Verfügung gestellte Interview gekürzt war, weil der zuständige Schneiderling (salopp formuliert) bloß mal kurz quergehört hat und die bewussten Sätze überhört hat. Und dann regt er sich auf, wenn andere Leute bei sich im Blog auch schon geschrieben haben, dass eben diese zur Verfügung gestellte Kurzvariante nicht dem vorher gesendeten Interview entspricht, und zwar dummerweise bei den "wichtigen" Sätzen - einziger Unterschied zu Boies Formulierung ist doch, dass dabei der Schwerpunkt auf die Auswirkungen dieser Schludrigkeit gelegt wurde. (Und dass der 23. Mai der Sonntag vorm darauffolgenden Donnerstag war, hätte man wirklich bemerken können.)

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Ich kapier's ja auch nicht wirklich. Darum reime ich mir da oben ja auch was zusammen, was sich aus meiner Redaktionserfahrung speist. Man erfindet halt oft Geschichten und wenn die dann platzen, versucht man, um jeden Preis daran festzuhalten. Und dann kommt halt sowas Übles dabei raus. Dass das eventuell rufschädigend sein könnte, nehmen so Tüpen in ihrer kognitiven Dissonanz dann wahrscheinlich nichtmal mehr wahr.

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Das ganze inhaltlich auswerten und sich Gedanken über guten und weniger guten Journalismus zu machen, ist ja schön und wichtig... aber mal andersherum gefragt: Worum geht es Johannes Boie eigentlich?! Ich für meinen Teil habe noch nie was von ihm gehört. Und so mag es auch vielen anderen Menschen gehen, die jetzt hier oder auf Fefes Seite auf diese Diskussion und deren Urheber aufmerksam werden - und sich dessen Blog ansehen - und Klicks generieren...
Am Ende des Tages kann Johannes Boie dann zu seinem Chef gehen und abseits seiner inhaltlichen Qualitäten (bzw. deren Mangel) zumindest auf öffentliches Interesse verweisen und seine Arbeit für die SZ legitimieren.
So war es doch schon immer: kleine Lichter fahren größeren an den Karren, um Aufmerksamkeit zu generieren. Hat er anscheinend geschafft.
Man muss sich natürlich fragen, inwieweit man so eine Diffamierung, gerade wenn sie im Hintergrund auf die SZ verweisen kann, ignorieren kann oder sie einer Klarstellung bedarf.
Für mich persönlich hebt sich der Beitrag von Johannes Boie allerdins nur unwesentlich von denen anderer Trolle ab.
Bekanntermaßen sollte man die allerdings nicht füttern.

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Gedankensprünge:
Jeder kennt's. Die (Ehe-) Partnerin berichtet von ihrem
Tagesverlauf und springt scheinbar zusammenhanglos
zwischen: ".. unser Sohn hat schon wieder.." zu: "..der
hat gar keinen Fehler gefunden..". Dazwischen steht nicht
einmal ein Halbsatz, der erklären würde, dass sie mit
ihrem Auto in der Werkstatt war.

Ein geeigneterer Journalist (als Christoph Ricke) hätte
Herrn Köhler gefragt, ob er jetzt und in diesem
Zusammenhang, gedanklich an die Piraterie vor Somalia
denke.

"Ja, natürlich", hätte Köhler wohl geantwortet, was allerdings
nicht ganz sicher ist.

Wurde nicht kürzlich ein gemeinsames Ansingen der
Nationalhymne gesendet mit der klar erkennbaren Stimme
des Bundespräsidenten, der die Erste Strophe intonierte?

In einigen manuskriptfreien Reden wirkte K. hin und wieder
unsicher.

Ebenso ließ die Bemerkung:
".. das hätte ich gerne von Ihnen gehört! " (Afgh. vor Soldaten)
darauf schließen, daß K. nicht immer fest und ganz unter
seiner "Cap" stand.

Insofern halte ich Trittins Bemerkung zwar für überzogen, aber
in Ansätzen stimmig.

Wir (früher) nannten diese Journalisten abwertend 'Schreiberlinge',
wenn sie über unsere Amtsausübung schlecht recherchierte oder
zum Teil erfundene Artikel veröffentlichten.
Wir mussten sie gleichwohl ernst nehmen, denn auch der größte Mist
prägte unser Bild in der Öffentlichkeit.

Boie nenne ich einen Schreiberling.

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Johannes Boie hat mir eine Mail mit der Bitte um Veröffentlichung als Kommentar geschickt, weil er sich nicht bei blogger.de anmelden mag:

Feine Ironie, in einer Debatte, in der es um's Kürzen geht, wichtige Sätze aus Zitaten rauszunehmen, um sich dann drüber zu beschweren. Aber schlechter Stil.

Bei mir steht:
"Bei Holgi heißt es dazu, das Interview sei “gekürzt worden”. Bei Fefe wird daraus dann ein “nachträglich gekürzt”. Das ist nicht nur eine Unterstellung, sondern auch falsch."

Ausgerechnet den Satz mit Fefe, der auf seinem Blog um "Verschwörungslinks" bittet, hast Du rasugekürzt. Dabei bezieht sich der folgende Satz (Unterstellung / falsch) natürlich auf ihn, nicht auf Dich. Sonst hätte ich ja geschrieben: "Das sind nicht nur Unterstellungen, sondern auch inhaltliche Fehler", oder so.

Ich verstehe Deine Wut nicht und finde, dass Du in Deinem extrem beleidigenden Text überreagierst. Schöne Grüße, Johannes

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Du schreibst einen Text über Verschwörungstheorien, erwähnst darin drei Blogger, leitest einen Absatz, in dem Du zwei Blogger (Fefe und mich) nennst, mit einem Plural "... unterstellten Verschwörungstheoretiker unter den Bloggern..." ein, willst aber einen davon eigentlich gar nicht gemeint haben. Du scheiterst also daran, dich in einem Text ohne Zeichenbegrenzung unmissverständlich auszudrücken. Wie, wenn nicht als Schlamperei, würdest Du das denn dann bezeichnen? Vielleicht als Absicht, um dich hinterher Anhand semantischer Spitzfindigkeiten rausreden zu können? Nicht wirklich!?

Im übrigen ist das Interview sehr wohl nachträglich gekürzt worden, denn es ist vor Ausstrahlung der Kurzfassung in der Langfassung ausgestrahlt worden und bin ich nicht wütend, sondern habe anhand deines Beitrages erklärt, warum ich mich nur ungern als "Journalist" bezeichne. Wäre ich wütend, würde sich das anders anfühlen.

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