Freitag gabs den Freitag neu. Und weil ich die ganzen anderen Wochenzeitungen kaum noch ertrage, habe ich ihn gekauft. Nagut, ich habe ihn kaufen wollen, bin von der freundlichen Bahnhofsbuchhändlerin aber darauf hingewisen worden, dass man in der Haupthalle Gutscheine verteile, auf dass man sich die Zweineunzig auch sparen könne, hatte noch ein wenig Zeit, mir den Gutschein geholt und den Freitag für lau genommen.
Ich mag sein Format. Es ist bescheiden. Man kann ihn auch in einem vollen Zug lesen, ohne Mitreisende zu belästigen. Ich mag sein Layout. Es ist sehr einfach und klar und hat mich ans Corbusierhaus erinnert. Ich mag seine Haltung. Sie ist gelassen, witzig und vernünftig. Wenn eine solche Haltung links sein soll, will ich links sein. Ich mag seinen Stil. Klare Sätze, kein Gelaber. Er hat relativ zwar genausoviele Tippfehler wie Die Zeit oder die FASZ, dafür aber nichts von deren albernen Schwellungen. Die Hinweise auf die Webseite geben mir nicht das Gefühl, Erkenntnis verpasst zu haben, weil ich lieber Print lesen mochte. Ich mag das. Ich mag den Freitag, weil er anders ist, ohne mir diesen Umstand aufzudrängen.
Er scheint mir sogar genau das Andere zu sein, auf das ich schon länger gewartet hatte. Die Zweineunzig wären gut angelegt gewesen. Hoffentlich werden sie das auch weiterhin sein.
etwas noch zu "links, rechts, liberal": in zeiten, in denen von hartz IV (abgekürzt: HIV) gepeinigten verlangt wird, zunächst ihre privaten reserven zu pulverisieren - während hochbezahlte und sogenannte manager sich steuergelder sichern, um ihre boni einzustreichen, ist es _eigentlich_ egal, wo man politisch steht -- es fehlt allein an irgendeiner haltung zu alledem. und natürlich den daraus resultierenden konsequenzen, die ein jeder für sich ziehen sollte/müsste.
wut ist eine - souveränes auslachen eine weitere möglichkeit, auf diesen wahnsinn zu reagieren. you decide.