STACKENBLOCHEN (rsf)
(where contestants have to arrange items on a dresser at right angles - that passes for fun in germany)
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Berlin ist dreckig und stinkt, gerne nach Hundescheisse. Das Gros der Menschen, die in dem Berlin leben, das ich hauptsächlich wahrnehme, hat schlechte oder gar keine Manieren, verwechselt Rücksichtslosigkeit mit Freiheit und hat endlose Möglichkeiten, ohne jemals etwas auf die Reihe zu bekommen. Man hat irgendwie ständig Angst, von der Armut und dem allgegenwärtigen Scheitern in dieser Stadt mit in den Abgrund gezogen zu werden, den Absprung in ein normales Leben mit halbwegs gesicherter Zukunft zu verpassen.
Und dann gibt es immer wieder diese Umstände, die ich aus keiner anderen Stadt kenne, und die Berlin ungeheuer sympathisch, fast einzigartig lebenswert machen. Beispielsweise, dass mich, nachts um vier vor dem Hühnerhaus am Görlitzer Park, zwei orientierungsarme Mädels ansprechen und fragen, ob ich mir dem gerade herangewunkenen Taxi zufälligerweise in die grobe Richtung Westend fahre, was ich tatsächlich mache, weshalb ich die Mädels zu mir ins Taxi einlade. Eigentlich wollen sie nur zur nächstgelegenen S-Bahn-Station, was der Anhalter Bahnhof wäre, von dem auch in wenigen Minuten wieder Züge verkehren würden, wie der Taxifahrer bemerkt, denn schliesslich sei es kurz nach vier.
Während der Fahrt erzählen sie mir, dass im Weschtend ihr Hoschtel sei, wo sie wohnäh tuäht, weil sie oigentlich bei oinäh Froindin häddä wohnä sollä, was sich abor kurzfritschtig zerschlohgä häddäh, so dass sie froh seien, angesichts der Messe (ITB) überhaupt noch einen Platz zum Schlafen gefunden zu haben, der dann aber auch nur zehn Euro pro Nacht koste, was ja wirklich sen-sa-tio-nell sei. Und sie haben Recht.
Es ist eine, manchmal sogar heitere, Unkompliziertheit, die ich sehr schätze an Berlin - und die leider auch gleichzeitig sehr gefährlich ist, weil sie einen schnell vergessen lässt, dass die Realität eine ganz andere, viel gnadenlosere ist, als das, was man in Berlin für die Realität hält - und von der man gerne mal schmerzhaft eingeholt wird, weil Berlin nicht für sich selbst sorgen kann. Schön, dass ich gelernt habe, mich gegen diesen Realitätsverlust zu imprägnieren.
Schön, hier zu leben. Auch schön, hier nicht leben zu müssen.

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Manueller Trackback

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Das Schönste, was du je über Berlin geschrieben hast. Finde ich.

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Das trifft aber nur auf den Bereich innerhalb des S-Bahnrings zu. In Köpenick oder Spandau geht es deutlich ruhiger zu.

Gruß fairsein

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Potsdam is auch schön. Oranienburg aber auch. Und Straussberg erst. Nicht zu vergessen Teltow...

Sag ich immer gerne, wenn jemand (angeblich) von "der Stadt" überfordert ist.

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Das ist wirklich das treffenste was ich bisher über Berlin gelesen hab. :)

Und die Schmerzhaftigkeit der Realität hab ich auch schon zu spüren bekommen, vor allem anfangs wenn man noch ein Bild von dieser Stadt hat, das romantischer ist, als es eigendlich sein kann und ist. Aber wie ich mich dagegen imprägnieren kann, hab ich noch nicht rausgefunden. :(

Schön zu leben ist es hier, trotds allem wirklich, aber ich bin leider gehalten hier wohnen zu müssen.

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http://www.myspace.com/herrengedeck >"berlin stinkt"

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Verglichen mit Paris beispielsweise betrachte ich Berlin immer noch als duftenden Garten holden Blättergrüns. Und die Chance, wirklich in die Scheiße geritten zu werden ist an tausend Orten der Welt tausend mal besser. Also sprich nich so von meiner Mutter, Alter, weisdu!

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Auch so eine berliner Spezialität. Sobald jemand darauf hinweist, dass es in Berlin einen Misstand gibt, weist ein Berlinbewohner darauf hin, dass es woanders auch schlecht ist.

Als würde es dadurch besser.

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Nur der typische Berliner Beißreflex. Anderswo heißt das Lokalpatriotismus, habe ich mir sagen lassen.

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Keine Ahnung, ob das eine Berliner Spezialität ist mit dem Finger auf andere Städte zu zeigen. Ich – als gebürtige Berlinerin – kann meine Stadt nicht wirklich in diesem Text erkennen, mal davon abgesehen, dass man natürlich zu jeder Uhrzeit Leute treffen kann. Und nun habe ich schon 'ne Nacht darüber geschlafen. ,-)

Jedem seine Meinung. Ich wundere mich nur generell, was so manche «Zugereiste» wohl im Vorfeld in diese Stadt oder dessen Leben in ihr hinein interpretiert haben mögen, dass sie sich dann doch (fast alle) irgendwann verhältnismäßig frustriert über sie äußern müssen. Gebürtige Berliner haben derartige Probleme mit dieser Stadt interessanterweise weniger bis gar nicht …

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Wie ich schon einmal sagte, bin ich auch nicht ununterbrochen von Berlin begeistert, aber ich habe eine innige Liebe zur Stadt über die Jahre entwickelt, die einen Zusammenhang zur Zeit aufweist, die vergangen ist, seitdem ich mich entschlossen habe 2000 nicht nach Wien und 2004 nicht nach London zu gehen. Aber das sind alles sehr persönliche Momente.

Wer seine Kindheit in einer Großstadt verbracht hat, wird vermutlich Zeit seines Lebens sich in Großstädten zurecht finden.
Aber einem Landleben bin ich auch nicht abgeneigt, oder vielleicht ne Zeit lang in einer Kleinstadt oder ähnliches. Man sollte immer mit etwas Demut an einen neuen Ort reisen. Großkotz kann man dann ja immer noch werden.

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ist ein bisschen Off-Topic, aber wichtig für mich.

Kennt einer von euch n paar schöne Parks in Berlin, die man mal aufsuchen könnte, wenn man mal wie ich eine Klassenfahrt nach Berlin macht (Ende April)?

lg

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suchen sie sich einen aus

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Wenn Du in einen Park willst, der nicht von des Berliners bestem Freund zugeschissen ist oder in dem Du wahlweise von militanten Fahrradfahrern, müllproduzierenden Grillern, scherbenproduzierenden Halbstarken, nervenden Trommlern, Drogenhändlern oder allem gleichzeitig belästigt wirst, solltest Du in den Britzer Garten gehen. Der ist allerdings ein wenig ausserhalb.

Der Schlosspark Charlottenburg ist auch ganz hübsch. Vor dem haben die Leute auch noch etwas mehr Respekt, als vor der - im Grunde sehr schönen - Hasenheide oder dem Tiergarten.

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Ich würde die Rehberge empfehlen. Das ist ein ziemlich weitläufiges Gebiet mit eben keinen Scherben, Trommlern, Grillern und etc. Pfiffis sind dort auch, aber aufgrund, dass es weniger gedrängt zugeht alles im Rahmen. Der Park in der Wuhlheide ist auch nicht zu verachten. Allerdings war ich dort seit Jahren nicht mehr.

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Rehberge wäre auch mein Tipp gewesen.

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Der Erholungspark Marzahn ist auch sehr zu empfehlen. Vor allen dingen der orientalische Garten.

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schön gesagt
in berlin kann man einfach "angenehm" scheitern. man fällt nicht auf, hat immer irgendwas zu tun (auch wenn es nur flaschensammeln ist) & abends kann man sich trotzdem noch das volksbühnen-sozialticket leisten...

ps: da kommt man nichtsahnend vom gitarrenzertrümmern nach hause, schaltet sein radio ein und was läuft: holgi macht sein eigenes chaosradio am montag. grandios, bitte mehr davon!

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Ich hab je schonmal gesagt, Chaosradio ohne Holgi, is ziemlich mau. :(

Grandiose Sendung! :)

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ok. danke für eure tipps. welcher is innerhalb von maximal einer Stunde von Kreuzberg erreichbar? Da is nämlich unser Hotel /Jugendherberge.


Waaaaah, sunny5, warum musst Du das Wort Wuhlheide benutzten!?! Jetzt muss ich mich wieder daran erinnern, dass da das Beatsteaks-Tourfinale im August ist und ich nicht hin kann weil ich zu klein bin und meine Ernährer mich (wahrscheinlich) nicht hingehen lassen. Wohne ja schließlich in Frankfurt und bin dann erst 15. :D tzotzdem danke :D

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@limbomessiah

Das kommt wohl drauf an, wie gut die BVG gelaunt ist und wie sicher du, die Verbindungen kennst, welcher Zug/Bahn/Bus dich wohin bringt. :D

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na dann brauch ich ja nur noch eins: Sonne!

Also immer schön viel Flugzeug fliegen und dann wirds auch immer schön Sonne geben. Auch im Januar. :D


(auch wenn ich erst im April hingeh...)

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@limobdingsda
Wenn Du in Kreuzberg bist, dann gehst Du direkt zum Kreuzberg (oben sind die Sonnenuntergänge legendär) oder in die Hasenheide. Was Holgi nämlich nicht weiß, da gibt es einen eingezäunten Hundeauslauf, der Rest der Grünfläche ist Hundekotfrei. ;-)

Und den Görlitzer muss man sich auch geben. Der ist zwar nicht schön, dafür einmalig selten! ,-)

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Ja, Berlin ist herrlich unkompliziert. Und wenn man sich als Zugezogener an ein paar Regeln hält, kommt man meist auch prima mit Berlin klar, ohne seine Existenz dort als Scheitern erleben zu müssen.

Ich bin im Juni 2004 berufsbedingt nach Berlin gezogen und habe anfangs ne Menge falsch gemacht. Habe versucht, in Friedrichshain menschenwürdig zu wohnen und Zugezogene als zuverlässige Wegbegleiter oder gar Freunde zu gewinnen. Ich bin von einem Frust in den nächsten, ein Scheiß-Job tat den Rest dazu.

Seit Sommer 2007 bin ich zurück in Jena, auch berufsbedingt. Hier kann man aus den Fensterscheiben der Straßenbahn sehen, da sie nicht zerkratzt sind. Dafür fährt ab 20:30 die Bahn nur noch alle halbe Stunde oder noch seltener und man läuft am besten gleich. Hier tritt man nicht dauernd in Hundekacke, dafür finde ich seit 10 Monaten keine akzeptable Wohung und hause in lausigsten WG-Zimmern. Hier wohnen die alten Freunde, die einem zwar ans Herz gewachsen sind, die aber genau wie ich berufsbedingt kaum Zeit haben, zusammenzukommen - und die fast alle längst verheiratet sind und jeweils 2 Kinder haben, wie sich das hier "gehört".

Die Berliner Wohnung steht noch, irgendwo will ich ja mein Wochenende angenehm verbringen. Berlin ist halt so herrlich unkompliziert. Einfach im Sommer das Fahrrad nehmen, nach Grünau fahren und ohne Prinzenbad-Streß in purer Natur sonnen und schwimmen. Einfach z.B. an den Plänterwald ziehen und irgendwann amüsiert feststellen, daß man 4 Wochen nicht innerhalb des S-Bahn-Rings war und auch nichts vermißt hat. Würde ich eine zweite Chance in Berlin bekommen, ich zöge vermutlich ganz raus. Zeuthen oder so. Natur, Wald, Wasser. Es gibt ja die herrlich unkomplizierte S-Bahn, wenn man mal ins Großstadtchaos will. Und wenn man dann so helle, klare, keiner abgefuckten Szene zugehörigen junge Original-Berliner in der S-Bahn kennenlernt, verschwindet kurzzeitig auch die Angst um Deutschlands Zukunft.

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