STACKENBLOCHEN (rsf)
(where contestants have to arrange items on a dresser at right angles - that passes for fun in germany)
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Von meinem ersten, regulären, beim Film selbst verdienten Geld hatte ich mir die damaligen Pflicht-Insignien des Filmschaffenden gekauft: Einen Leatherman, ein Paar Timberland-Stiefel und ein Filofax.



Damals gab es in Deutschland nur die Standard-Organizer und -Einlagen. Wenn man etwas Besonderes haben wollte, um sich von den Anderen abzugrenzen (haha), musste man sich eine Bezugsquelle im Mutterland dieses Kalenders suchen. Es gab kein Internet, wo man mal schnell hätte einen bestellen können, also reiste man nach London, was ja sowieso immer einen Besuch wert ist, betrat ein Fachgeschäft und deckte sich für viel Geld mit Dingen ein, die nicht wirklich nötig gewesen wären. Shopping halt.

Heute verwalte ich meine Daten digital, synchnonisiert über alle Geräte, an denen ich arbeite, und benutze dazu dieselben Anwendungen wie alle anderen Menschen auch. Nicht mehr die Möglichkeit zu haben, sich abzugrenzen, hat etwas befreiendes. Außerdem ist der Digitalscheiß so praktisch, wie ein Filofax nie sein könnte - dummerweise aber auch unattraktiver als jedes Filofax jemals sein wird.

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Wenn in der Columbiahalle Konzerte sind, stehen meistens eine Handvoll Polizisten an der Ecke Friesenstraße/Columbiadamm. Gut 20 Meter die Friesenstraße hoch ist eine Bushaltestelle. Danach wird am Straßenrand geparkt. Machmal, wenn sie die Haltestelle übersehen oder ignorieren, bilden Konzertbesucher sich ein, sie hätten einen super Parkplatz gefunden. So auch neulich (was die lustige Geschichte am Rande des schlechten Auftritts von The Knife ist). Ein Paar parkt an der Haltestelle. Während des Rangierens löst sich einer der Polizisten aus der Gruppe an der Ecke und geht, auf der anderen Straßenseite, gemächlich auf das Auto zu. Ich bleibe stehen und gucke zu.

Der Polizist so: "Gehören Sie dazu?"

Ich so: "Nee. Normalerweise bekomme ich immer den Hintern versohlt, da wollte ich mal dabei zusehen, wie Andere es abbekommen."

Der Polizist so: "Alles klar. Ich lasse ja immer erst aussteigen und abschließen..."

Zur Belustigungssteigerung hat er sich dann nichtmal mehr die Mühe gemacht, zum falsch geparkten Auto zu gehen, sondern hat den Fahrer zu sich gerufen, um ihn zu belehren und wegzuschicken.

Haha!

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Ich war in der Philharmonie, die ja allein aus akustischen Gründen schon einen Besuch wert ist, egal wer da was spielt oder ob überhaupt irgendjemand spielt. Glücklicherweise hat gestern aber jemand gespielt, und zwar Chilly Gonzales, den ich noch von vor über zehn Jahren als Peaches-Produzent kenne.

Was meine Pop-Ignoranz mich nicht so richtig mitbekommen lassen hatte, ist dass Gonzales mittlerweile Pianokonzerte gibt und dabei ein wenig singt, rapt, Geschichten erzählt und das Publikum belästigt. Gestern hatte er außerdem ein Schlagzeug, ein Bläserquartett und ein Streichquartett dabei und hat all das benutzt, um mir die beste musikbasierte Unterhaltung zu liefern, die ich je in meinem über 40 Jahre alten Leben gesehen habe. Ich hatte für einen Moment sogar überlegt, Tickets für eins der Konzerte in Jena oder Kassel zu kaufen und hinzufahren - aber das wär ja albern. Irgendwie. Mal sehen.

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Ich gehe nicht gerne auf Pop-Konzerte. In der Regel ist es mir zu voll, ständig wird man angerempelt, die Hallen sind schlecht belüftet und meistens ist der Sound genauso schlecht wie die Frischluftversorgung. Manche Bands mag ich aber aus sentimentalen Gründen live sehen. The Knife waren eine solche Band.

Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 


Es war zu voll, ich wurde ständig angerempelt, die Columbiahalle ist grotesk schlecht belüftet und der Sound war eine Zumutung. Überhaupt war das Konzert eine Zumutung. Jedenfalls die Hälfte, die ich mitbekommen habe, bevor wir schlecht gelaunt gegangen sind.

Zu Beginn gab es eine Art Vor-Act. Der bestand aus einem drahtigen, drittklassigen Ferienclub-Animateur mit zwei Hintergrund-Tänzerinnen. Die Tänzerinnen tanzen, der Animateur hüpfte blöd rum, schwenkte blöd seine Arme und rief andauernd irgendein blödes Motivationszeug in die Menge, die weitestgehend regungslos dastand und vermutlich - wie wir - gehofft hat, dass es schnell vorbei geht. Das Ganze hat sich angefühlt, als hätte irgendwer, der es in New York oder London nicht geschafft hat und jetzt in Berlin prekarisiert, den Hallenbetreiber belabert, er würde ihm eine Mega-Super-Performance hinlegen, die er gerade erst in New York entwickelt hätte.

Hinterher habe ich erfahren, dass der Scheißdreck allen Ernstes zu The Knife dazugehört, die sich ihrerseits nicht entblödeten, ihre zweitklassige, alberne Ausdruckstanz-Performance von einem Vollplayback begleiten zu lassen und ansonsten blöd auf der Bühne rumszustehen und gar nichts zu machen. Vermutlich war das Kunst. Genauso wie die Vorverlegung des Konzertes um eine Stunde, die dazu geführt hatte, dass wir zwei Stunden warten mussten, bis überhaupt mal der Animateur angetreten war.

Ich habe mich lange nicht mehr so sehr geärgert, 40,- Euro ausgegeben zu haben. Davon 30,- für das "Konzert" und 10,- für das Album bei iTunes, das ich mal lieber irgendwo schwarzkopiert hätte, damit diese lahmen Arschgeigen bloß keinen müden Pfennig zuviel an mir verdienen.

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Ich war beruflich in Dresden und habe Twitter fragt, wo in Dresden man einen ordentlichen Burger essen gehen könnte. Das Ergebnis der zahlreichen Antworten sah so aus:



Das Ding gibt's in der Devils Kitchen in der Neustadt, die sehr hübsch wie ein Diner eingerichtet ist, und ich würde jederzeit wieder dahin gehen, auch wenn es reichlich kompliziert war, diesen Burger zu essen. Dafür war er aber auch mindestens so lecker. Einzig mit dem Bier haben die dort ein Problem. Es gibt nämlich nur so langweilige Standardbiere. Aber gegenüber ist eine Art Biergarten mit etwas verzwickter Dynamik, die sich mir auch nach einigen Minuten Beobachtung nicht restlos erschlossen hat. Ich hab dann einfach gefragt, ob aus dem Bauwagen, dessen Fenster man nicht erreichen konnte, weil auf dem Holztreppchen davor Menschen sich lümmelten, Bier verkauft würde. Sie verkaufen Bier. Und zwar eine lokale Sorte in hell und rot, sowie einen Cidre aus demselben Hause. Ich habe mich für "Elbhang Rot" entschieden.



Und das war eine gute Wahl. Ich habe es ja lieber etwas süßer als etwas herber, habe genau sowas bekommen und so viel Gefallen daran gefunden, dass ich ein wenig ärgerlich war, mit dem Auto heimfahren zu müssen, was ich nach zwei solcher Biere zwar irgendwie geschafft hätte - zumal es ja fast nur über die Autobahn ging - was aber irgendwie doof gewesen wäre wegen Anstand und Moral und so. Doof war dann letztlich ich, denn ich habe verpeilt, mir einfach eine oder zwei Falschen mitzunehmen für zuhause. Aber vielleicht habe ich auch unbewusst an den fast vollen Kasten IPA gedacht, der ja auch noch getrunken werden will.

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Gutes Gespräch. Guter Burger. Gutes Bier. Dresden.

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Die jüngsten Umstände haben mich zum Kassenpatienten gemacht. Eigentlich wollte ich ja jammern, denn bisher war ich privatversichert. Da ist man privilegiert. Dann erzählte ein Kollege, dass er demnächst knapp die Hälfte seiner Rente nur für seine private Krankenversicherung ausgeben muss. Außerdem meinte die beste Hausärztin von allen, ich soll mal froh sein, denn falls ich mal chronisch krank werden sollte, könne das als Privatpatient auch schnell mal im Ruin enden und außerdem würde sie den privaten Versicherungen sowieso mal nur noch ein paar Jahre geben.

Jetzt habe ich zum ersten Mal die Leistungen meiner neuen Versicherung in Anspruch genommen. Ich habe mir meine regelmäßige Ration Medikamente geholt. Früher ging das so: Ich rufe bei der Ärztin an, diktiere der Dame am Telefon, was ich haben will, fahre später vorbei, hole das Rezept, kaufe die Medikamente, bezahle sie komplett selbst, bekomme das Rezept mit Quittungsaufdruck zurück, bekomme irgendwann eine Rechnung über dreiachtzig für das Rezept, bezahle die und schicke beides zur Versicherung, die mir dann die Kosten erstattet. Heute ging das so: Ich rufe bei der Ärztin an, diktiere der Dame am Telefon, was ich haben will, fahre später vorbei, hole das Rezept, kaufe die Medikamente, bezahle 15,- Euro, bekomme das Rezept nicht zurück, bekomme keine Rechung von der Ärztin und werde die 15,- Euro auch nicht erstattet bekommen.

Außer der 15,- Euro habe ich bisher also noch keine negativen Auswirkungen verspürt, die mein Abstieg in die untere Klasse der bundesrepublikanischen Zweiklassen-Medizin angeblich nach sich ziehen soll. Soweit finde ich das gut zu ertragen. Aber ich brauchte ja auch noch keine ärztliche Hilfe.

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Für die Wiedererrichtung der Monarchie! Alleine schon wegen der leicht verständlichen Transparenz: Alles passiert, weil seine Majestät es so will.

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Ein Tag. Drei Sendungen an drei Orten. Vier Stunden Anfahrt, Vorgespräche, Nachgespräche und Abfahrt. Sieben Stunden Nettospielzeit. Elf Stunden Aufwand mit reichlich Konzentration auf ungefähr 20 verschiedene Menschen. Trotzdem bin ich hinterher hellwach, habe nicht das Gefühl, mich überhaupt auch nur angestrengt zu haben und könnte problemlos nochmal dasselbe Programm machen. Verbringe ich dieselbe Zeit ähnlich strukturiert im Büro, selbst wenn der Job sehr interessant und abwechslungsreich ist, bin ich hinterher erschöpft.

Gebt mir ein Mikrophon!

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Die ganze Pubertät, damals das halbe Leben, fällt zusammen zu gerade mal einer Handvoll Songs. Die sind dann aber auch in der Lage, fast fotografisch genaue Bilder im Kopf entstehen zu lassen, längst vergessene Namen und die dazugehörigen Gesichter in Erinnerung zu rufen, sogar Stimmen und Gerüche zurück zu holen. Und manchmal sind das reichlich banale Songs.

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Ich habe nur recht wenige selbstauferlegte Regeln. Entsprechend ärgerlich bin ich jedesmal, wenn ich eine davon, versehentlich oder weil ich dazu genötigt wurde, breche. Heute ärgere ich mich darüber, öffentlich von Leuten gesprochen zu haben, die der Rede nicht wert sind. Man will schließlich vermeiden, dass solche Leute sich für einflussreicher halten oder gehalten werden, als sie tatsächlich sind.

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